25. April 2007


Öffentlicher Dienst vor tief greifendem Wandel

Teilnehmer aus Bund, Ländern und Kommunen sehen
dringenden Reformbedarf

 Am 23. und 24. April 2007 fand die Auftaktveranstaltung der neuen Konferenzreihe „Praxisforum Personal“ im Berliner Ernst-Reuter-Haus statt. Über 200 Teilnehmer aus Bund, Ländern, Kommunen und Unternehmen der privaten Wirtschaft diskutierten das Thema „Herausforderung Demographie: Geht dem öffentlichen Dienst das Personal aus?“.

Wolfgang Riotte, Staatssekretär a. D., eröffnete die Veranstaltung: Klimawandel, Globalisierung und alternde Gesellschaft verlangten einen handlungsfähigen Staat und damit einen funktionstüchtigen öffentlichen Dienst. Der aber sei selbst massiv vom demographischen Wandel betroffen. Für Johann Hahlen, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, können sinkender Personalstand, latenter Fachkräftemangel und gleichzeitig steigende Anforderungen den öffentlichen Dienst in eine ernste Krise führen. Die Behörden seien „am Ende ihrer Möglichkeiten“. Hahlen rief dazu auf, diese Krise als Chance zu begreifen. Die Verwaltung solle nur noch die wichtigsten Aufgaben wahrnehmen, Unterstützungsleistungen bündeln („Shared Service Center“) und Leistungen an externe Dienstleister vergeben. Der öffentliche Dienst sei nicht überholt und könne als attraktiver Arbeitgeber durchaus Nachwuchskräfte gewinnen, die sich für das Gemeinwohl engagieren wollen.

Professor Burkhard Lutz, Forschungsdirektor des Zentrums für Sozialforschung an der Martin-Luther-Universität, Halle/Wittenberg, verwies auf den Zusammenhang zwischen Einstellungspolitik und Laufbahnprinzip einerseits und Bevölkerungspyramide andererseits. So lange die Bevölkerungspyramide eine breite Basis aus jungen Altersjahrgängen hatte, habe man sich im öffentlichen Dienst auf die Einstellung unmittelbar aus der Ausbildung heraus beschränken und sich mit der Aussicht auf eine allmähliche Laufbahnentwicklung begnügen können. Wenn aber die jungen Leute ausblieben, müsse sich der öffentliche Dienst auch für ältere Jahrgänge öffnen, bei denen nicht mehr formale Ausbildungsabschlüsse, sondern aktuelle Kompetenzen und Erfahrungen ausschlaggebend seien.

Das Praxisforum Personal verdeutlichte die hohe Komplexität der demographischen Herausforderung. Eine mögliche Antwort ist das umfangreiche Maßnahmen-Paket, das Prof. Marga Pröhl vorstellte, Referatsleiterin der Abteilung für Verwaltungsmodernisierung im Bundesministerium des Innern: Einführung einer leistungsgerechten Bezahlung, systematische Altersstruktur- und Potentialanalysen, ein verbessertes Wissensmanagement, Investition in Fortbildungen, lebensphasengerechte Arbeitsformen und eine systematische Gesundheitsförderung. Dr. Helmut Fogt vom Deutschen Städtetag gab einen Überblick über die Problemsichten und erste Handlungskonzepte in den Kommunen. Beatrix Behrens von der Bundesagentur für Arbeit und Uta Schellenberger-Nicoubin von der Vattenfall AG berichteten über den Umgang ihrer Organisationen mit alternden Belegschaften.

Wie die nähere Zukunft aussehen kann, zeigte Juhani Wikström, als Chief Medical Officer im Finanzministerium Finnlands zuständig für die Förderung von Gesundheit am Arbeitsplatz. Seit vielen Jahren befasse man sich dort mit dem Zusammenhang zwischen betrieblichen Arbeitsbedingungen und individueller Leistungsfähigkeit. Das Ergebnis sei ein offensives Risiko- und Gesundheitsmanagement auch für den öffentlichen Dienst, das ältere Mitarbeiter stärker fordere und fördere.

Im Workshop-Teil der Konferenz präsentierten Experten aus Behörden und Unternehmen praxiserprobte Instrumente und Maßnahmen, mit denen Verwaltungen der neuen Herausforderung begegnen können. Die Konferenzteilnehmer erarbeiteten auf dieser Grundlage Anregungen für Konzepte eines zukunftsfähigen Personalmanagements. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland nutzten die Gelegenheit für einen regen Erfahrungsaustausch zwischen Behörden und Verwaltungsebenen.


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