24. April 2008


Presseinformation vom 24. April 2008

Mit Personalentwicklung in die Zukunft

Bund, Länder und Kommunen unter Modernisierungsdruck

Berlin, 24. April 2008 – Am 17. und 18. April 2008 fand das zweite „Praxisforum Personal“ beim Deutschen Städtetag in Berlin statt. Über 250 Teilnehmer aus Bund, Ländern, Kommunen und Unternehmen der privaten Wirtschaft diskutierten über „Personalentwicklung unter Modernisierungsdruck“.

Die öffentliche Verwaltung muss in vielen Bereichen moderner werden. In Zeiten von globalem Wettbewerb, demografischem Wandel und stagnierender Staatsverschuldung ist dies längst Konsens unter den zuständigen Personalern. Doch wie lässt sich dies erreichen? Für Wolfgang Riotte, Staatssekretär a. D. und Experte für Verwaltungsmodernisierung, ist eine strategische Personalentwicklung unerlässlich. Nur so lasse sich der Personalbestand bis weit über das Jahr 2015 hinaus sichern. Auch für die regionale Wirtschaft, so Riotte, werde die Personalentwicklung noch zum Schlüsselthema.

Für die Bundesregierung steht ein „erheblicher Bürokratieabbau“ im Vordergrund. Reinhard Timmer, Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung Verwaltungsmodernisierung im Bundesministerium des Innern, berichtete von laufenden Aktivitäten wie der einheitlichen Behördenrufnummer und dem Ausbau von E-Government: Bis 2012 sollen alle Transaktionen zwischen Wirtschaft und Verwaltung online abgewickelt werden können. Timmer berichtete, dass mehr als ein Drittel der Beschäftigten in der Bundesverwaltung bis 2018 in den Ruhestand gingen. Es gebe immer weniger qualifizierten Nachwuchs und eine wachsende Konkurrenz mit der Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund sprach sich Timmer für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit und ein stärkeres Personal-Marketing aus.

Einen Blick auf die Personalentwicklung in den Ländern ermöglichte Erwin Wagner, Ministerialrat und Leiter des Personalreferats im Sächsischen Staatsministerium des Innern. Wagner beschrieb den rigorosen Stellenabbau im öffentlichen Dienst des Freistaats Sachsen: Seit dem Jahr 1991 sei die Stellenzahl dort von 150.000 auf 85.000 gefallen. Erst ab dem Jahr 2015 werde wieder unbefristet eingestellt; bis dahin falle jede frei werdende Stelle weg. Trotz der angespannten Personallage sei ein Aufgabenverzicht aber kaum möglich. Mit Zielvereinbarungsgesprächen und einem Gesundheitsmanagement für die Mitarbeiter soll die Verwaltung in Sachsen leistungsfähig gehalten werden.

Helmut Fogt, Leiter des Dezernats für Personal und Organisation beim Deutschen Städtetag, prognostizierte einen „dramatischen Rückgang“ der Beschäftigungszahlen in Deutschland. In den westlichen Bundesländern werde die Zahl der Beschäftigten bis zum Jahr 2030 um 15 % sinken, in den östlichen um bis zu 40 %. Die Kommunen seien schon jetzt betroffen: Der kürzlich abgeschlossene Tarifvertrag zwinge jede dritte Kommune zum Stellenabbau; jede zweite Kommune werde ihre Gebühren deswegen erhöhen.

Mit weniger Personal effizienter arbeiten – das ist ein Trend, den Marga Pröhl, General-direktorin des European Institute of Public Administration, aus allen Mitgliedstaaten der EU kennt. Die strategische Personalentwicklung werde immer wichtiger, für jeden Menschen müsse der richtige Platz gefunden werden: Mit neuen Verfahren zur Leistungsbewertung, Mitarbeitergesprächen und Zielvereinbarungen könne die Effizienz der Verwaltung erhöht werden. Eine wichtige Rolle komme dabei den Führungskräften zu, die aber oft nicht entsprechend geschult seien und die „Leistungsbeurteilungsbürokratie“ ablehnten.

Im Workshop-Teil der Konferenz präsentierten Experten aus Behörden und Unternehmen praxiserprobte Maßnahmen der strategischen Personalentwicklung: von der digitalen Personalakte, über tarifrechtliche Fragen, das Leistungsentgelt nach TvÖD bis zum zukunftsorientierten Stellenplan. Anschließend diskutierten die Teilnehmer in kleinen Arbeitsgruppen über ihre Erfahrungen mit Instrumenten wie der Personalbedarfs- und Altersstrukturanalyse, Führungskräfteentwicklung, Leistungsorientierte Bezahlung sowie über Maßnahmen zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit und der Work-Life-Balance.


Praxisforum Personal

Das Praxisforum Personal ist eine Plattform für Personalverantwortliche aus Bund, Ländern und Kommunen, für Behördenleitungen und Vertretungen von Beschäftigten sowie für Unternehmen mit spezifischen Produkten oder Dienstleistungen für die öffentliche Hand. Der Schwerpunkt liegt beim strategischen Personalmanagement und im Austausch über die Grenzen von Verwaltungsebenen und Fachverwaltungsgrenzen hinweg. Die Konferenz ermöglicht einen Austausch zu aktuellen wirtschaftlichen und rechtlichen Entwicklungen im jährlichen Turnus. Das Praxisforum Personal ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Unternehmensberatung Projektservice und von SWOP. Medien und Konferenzen.


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